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Eine kirchliche Trauung begründet keine Ehe im rechtlichen Sinn. Wer nur kirchlich heiratet, ist vor dem Gesetz ledig – mit allen Folgen für Erbrecht, Steuern und Sorgerecht. Wie sich die kirchliche Trauung zu Standesamt und freier Zeremonie verhält, zeigt der Vergleich der drei Formen.
Bis 2008 war die standesamtliche Trauung sogar Voraussetzung dafür, dass eine Kirche überhaupt trauen durfte. Mit der Personenstandsrechtsreform zum 1. Januar 2009 ist dieses Verbot der religiösen Voraustrauung entfallen. Die Kirchen selbst verlangen die Zivilehe aber weiterhin fast immer, und die katholische Kirche macht nur in begründeten Ausnahmefällen davon Abstand.
Was ist der Unterschied zwischen evangelisch und katholisch?
| Evangelisch | Katholisch | |
|---|---|---|
| Charakter | Gottesdienst mit Segnung | Sakrament |
| Trauzeugen | freiwillig | zwei vorgeschrieben |
| Konfession | mindestens ein Partner evangelisch | mindestens ein Partner katholisch |
| Wiederheirat nach Scheidung | in der Regel möglich | nur nach Annullierung |
| Vorbereitung | Traugespräch | Traugespräch plus Ehevorbereitungsprotokoll |
Für die katholische Trauung braucht ihr zwingend zwei Trauzeugen (can. 1108 CIC). Ist einer der Partner nicht katholisch, ist zusätzlich eine Erlaubnis – die sogenannte Dispens – beim Bistum einzuholen. Der Pfarrer leitet das ein, es dauert einige Wochen.
Welche Unterlagen werden verlangt?
- Taufbescheinigung, ausgestellt von der Taufgemeinde, meist nicht älter als sechs Monate
- Bescheinigung der Wohngemeinde, falls ihr nicht in der Gemeinde heiratet, in der ihr gemeldet seid – das sogenannte Traudimissoriale
- Eheurkunde des Standesamts, sofern ihr bereits zivil geheiratet habt
- Bei katholischen Trauungen zusätzlich: Ausweise für das Ehevorbereitungsprotokoll
Wer aus der Kirche ausgetreten ist, kann in der Regel nicht kirchlich heiraten. Ein Wiedereintritt ist möglich, dauert aber und sollte früh angestoßen werden.
Was passiert im Traugespräch?
Das Traugespräch ist kein Examen. Der Pfarrer oder die Pfarrerin lernt euch kennen, ihr besprecht den Ablauf, die Lesungen, die Musik und den Trauspruch.
Plant es drei bis sechs Monate vor dem Termin ein. Bei katholischen Trauungen wird dabei das Ehevorbereitungsprotokoll aufgenommen, ein formales Dokument mit Fragen zur Ehefähigkeit und zur Bereitschaft, die Ehe nach kirchlichem Verständnis zu führen.
Was kostet eine kirchliche Trauung?
Für Gemeindemitglieder ist die Trauung selbst kostenlos – sie ist durch die Kirchensteuer abgedeckt. Kosten entstehen für:
- Organist: 80 bis 200 Euro
- Küster: 50 bis 100 Euro
- Blumenschmuck: 150 bis 600 Euro
- Solisten oder Chor: 100 bis 400 Euro
- Kirchenheft und Kerzen: 50 bis 150 Euro
Heiratet ihr in einer fremden Gemeinde oder in einer besonders begehrten Kirche, kann eine Gebühr anfallen. Eine Spende an die Gemeinde ist üblich, aber freiwillig.
Wie läuft die Trauung ab?
- Einzug, meist zu Orgelmusik
- Begrüßung und Eingangsgebet
- Lesung aus der Bibel, oft von Angehörigen vorgetragen
- Predigt, die auf euren Trauspruch Bezug nimmt
- Trauversprechen und Ringtausch
- Segnung des Paares
- Fürbitten, Vaterunser
- Bei katholischen Trauungen mit Messe zusätzlich die Eucharistiefeier
- Auszug, Spalier vor der Kirche
Eine evangelische Trauung dauert etwa 45 Minuten, eine katholische Trauung mit Messe bis zu 75 Minuten.
Die ökumenische Trauung
Für Paare mit zwei Konfessionen gibt es genau genommen keine „ökumenische Trauung" – sondern zwei Formen, die so genannt werden:
- Evangelische Trauung mit katholischer Beteiligung oder umgekehrt: Ein Geistlicher leitet, der andere wirkt mit Predigt oder Segen mit. Kirchenrechtlich ist es die Trauung der leitenden Konfession.
- Die Wahl der Kirche entscheidet meist praktisch: Wo fühlt ihr euch zu Hause, welcher Pfarrer kennt euch?
Wichtig für katholische Partner: Wird evangelisch getraut, braucht es vorab die Dispens von der Formpflicht beim katholischen Bistum – sonst gilt die Ehe katholisch als nicht geschlossen. Der katholische Pfarrer beantragt das; klärt es im ersten Gespräch, nicht im letzten.
Sprecht beide Pfarrämter früh an. Zwei Geistliche, zwei Terminkalender und ein Bistum brauchen mehr Vorlauf als eine einfache Trauung – sechs Monate sind knapp.
Musik in der Kirche
Die Orgel gehört zur Grundausstattung, alles andere ist Verhandlungssache – und die Spielräume unterscheiden sich stark von Gemeinde zu Gemeinde:
- Fast immer möglich: klassische Solisten (Gesang, Trompete, Streicher), kirchennahe Popsongs instrumental
- Oft möglich: weltliche Liebeslieder instrumental – „Hallelujah" und Filmmusik sind die Dauerbrenner
- Selten erlaubt: Popsongs mit weltlichem Text vom Band
Klärt die Wunschliste im Traugespräch und bucht Solisten erst danach. Der Organist der Gemeinde ist übrigens meist die günstigste und sicherste Besetzung – er kennt die Akustik und die Orgel.
In welcher Kirche darf man heiraten?
Grundsätzlich in eurer Wohngemeinde. Für die Wunschkirche woanders – die Dorfkirche der Kindheit, eine Kapelle am Ferienort – braucht ihr das Einverständnis der dortigen Gemeinde und das Traudimissoriale eurer Heimatgemeinde. Beides ist Routine, kostet aber Wochen.
Begehrte Hochzeitskirchen vergeben Samstagstermine wie Standesämter: sechs bis zwölf Monate im Voraus anfragen. Und plant den Weg mit: Kirche, Location und Fotospot sollten nicht drei Autostunden auseinanderliegen – eure Gäste fahren alles ab.
Der Trauspruch
Ihr wählt einen Bibelvers, der die Predigt trägt und später auf Kerzen, Karten und Urkunden auftaucht. Nehmt euch dafür Zeit – er begleitet euch länger als der Blumenschmuck. Eine Auswahl bewährter Trausprüche mit Quellenangabe steht bei den Hochzeitssprüchen.
Wenn eine kirchliche Trauung für euch nicht infrage kommt, ihr aber trotzdem eine persönliche Zeremonie möchtet, ist die freie Trauung die naheliegende Alternative.
Häufige Fragen zur kirchlichen Trauung
Kann man kirchlich heiraten, ohne standesamtlich verheiratet zu sein?
Rechtlich ja – das Verbot ist 2009 entfallen. Praktisch verlangen beide Kirchen die Zivilehe fast immer; die katholische Kirche erlaubt Ausnahmen nur mit Genehmigung des Bischofs. Und ohne Standesamt seid ihr vor dem Gesetz ledig – ohne Erbrecht, Splitting und Sorgerechtsfolgen.
Kann man kirchlich heiraten, wenn ein Partner ausgetreten ist?
Evangelisch: möglich, wenn der andere Partner Mitglied ist – der ausgetretene gibt eine Erklärung ab. Katholisch: Der Austritt ist ein Hindernis, das der Pfarrer über das Bistum klären muss; ein Wiedereintritt ist der einfachere Weg und sollte sechs Monate vorher beginnen.
Was kostet eine kirchliche Trauung?
Die Trauung selbst ist für Mitglieder kostenlos. Real fallen 300 bis 1.400 Euro an: Organist 80–200 €, Küster 50–100 €, Blumenschmuck 150–600 €, Solisten 100–400 €, Kirchenheft und Kerzen 50–150 €. In fremden Gemeinden kommt teils eine Nutzungsgebühr dazu.
Wie lange dauert eine kirchliche Trauung?
Evangelisch etwa 45 Minuten, katholisch ohne Messe ähnlich, mit Eucharistiefeier bis zu 75 Minuten. Für den Ablaufplan des Tages: Mit Einzug, Auszug, Spalier und Gratulation vor der Kirche wird aus jeder Trauung eine gute Stunde mehr.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Stand: August 2026. Redaktionelle Einordnung, keine Rechts- oder kirchenrechtliche Beratung; maßgeblich ist die Auskunft eures Pfarramts bzw. Bistums.
- Staatliches Recht: § 1588 BGB (kirchliche Verpflichtungen bleiben vom staatlichen Eherecht unberührt); das Verbot der religiösen Voraustrauung (§ 67 PStG a. F.) entfiel mit dem Personenstandsrechtsreformgesetz zum 1. Januar 2009
- Katholisches Kirchenrecht: can. 1108 CIC (Formpflicht, zwei Trauzeugen), can. 1124–1127 CIC (konfessionsverschiedene Ehen, Dispens von der Formpflicht)
- Evangelisch: geregelt in den Lebensordnungen bzw. Trauordnungen der jeweiligen Landeskirche – daher unterscheiden sich Details von Landeskirche zu Landeskirche
