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Bräuche sind kein Pflichtprogramm. Ihr könnt jeden einzelnen weglassen, und niemand wird die Ehe für ungültig erklären. Sinnvoll ist die Frage: Welcher Brauch erzeugt einen Moment, an den ihr euch erinnern werdet – und welcher erzeugt nur Arbeit?
Bräuche rund um die Zeremonie
Diese Bräuche gehören zur Zeremonie selbst – unabhängig davon, ob ihr standesamtlich, kirchlich oder frei heiratet.
Etwas Altes, Neues, Geliehenes, Blaues
Der Reim stammt aus dem viktorianischen England: something old, something new, something borrowed, something blue. Altes steht für die Herkunft, Neues für die Zukunft, Geliehenes für Glück aus einer glücklichen Ehe, Blau für Treue.
Praktisch gelöst: der Schmuck der Großmutter, das Kleid, das Taschentuch einer Freundin, ein blaues Band im Saum.
Spalier stehen
Nach der Trauung bilden die Gäste eine Gasse, durch die das Paar schreitet – oft mit berufsbezogenen Gegenständen. Der Ursprung ist ein Schutzbrauch: Die Gemeinschaft sichert dem Paar den Weg.
Reis werfen
Reis stand für Fruchtbarkeit und Wohlstand. Viele Kirchen und Locations verbieten ihn heute wegen des Aufwands beim Reinigen. Alternativen: getrocknete Blütenblätter, Lavendel, Seifenblasen.
Der oft zitierte Grund, Reis lasse Vögel platzen, ist ein Mythos – der Verbotsgrund ist banaler: Reis auf Steinstufen ist rutschig.
Bräuche bei der Feier
Baumstamm sägen
Das Paar zersägt gemeinsam einen Stamm auf einem Sägebock, mit einer Zugsäge, die zwei Menschen erfordert. Der Brauch – regional auch Holzsägen – soll zeigen, dass ihr gemeinsam ein Hindernis überwindet.
Er funktioniert zuverlässig, weil er sichtbar ist und alle zusehen können. Achtet auf eine geschärfte Säge und einen weichen Stamm, sonst dauert es zwanzig Minuten und die Gäste verlieren die Geduld.
Brautstrauß werfen
Die unverheirateten Gäste fangen den Strauß; wer ihn hat, heiratet angeblich als Nächstes. Viele Bräute werfen inzwischen einen zweiten, kleineren Strauß, um den eigentlichen zu behalten.
Der erste Tanz
Traditionell ein Walzer, heute in der Regel ein Lied, das dem Paar etwas bedeutet. Zwei bis drei Minuten reichen; danach sollten andere Paare dazukommen, sonst wird es für alle Beteiligten lang.
Geldbaum, Hochzeitsteller und Herz ausschneiden
Beim Herz-Ausschneiden schneiden Braut und Bräutigam gemeinsam ein Herz aus einem gespannten Bettlaken; der Bräutigam trägt die Braut hindurch. Der Brauch ist verbreiteter im Süden.
Der Brauch, den die meisten Paare bereuen
Die Brautentführung. Freunde entführen die Braut in eine Kneipe, der Bräutigam muss sie suchen und die Zeche zahlen.
In der Praxis bedeutet das: Das Brautpaar ist ein bis zwei Stunden von der eigenen Feier abwesend, die Gäste sitzen ohne Gastgeber da, und die Fotos dieser Zeit fehlen später.
Wenn ihr den Brauch mögt, setzt vorher Regeln: maximal 45 Minuten, im Haus bleiben, nicht während des Essens.
Bräuche vor der Hochzeit
Der Polterabend mit dem Zerschlagen von Porzellan gehört zu den ältesten erhaltenen Bräuchen – Scherben sollen Glück bringen, der Lärm böse Geister vertreiben. Wichtig: nur Porzellan und Steingut, kein Glas und keine Spiegel, die bringen der Überlieferung nach Unglück und sind zudem gefährlich.
Der Junggesellenabschied ist dagegen ein junger Import und folgt keiner deutschen Tradition.
Wie ihr auswählt
Drei Fragen genügen:
- Erzeugt der Brauch einen Moment, den ihr sehen wollt?
- Kostet er die Gäste mehr als fünf Minuten Aufmerksamkeit?
- Bringt er das Brautpaar in eine Situation, die einem der beiden unangenehm ist?
Was die erste Frage mit Ja und die dritte mit Nein beantwortet, könnt ihr einplanen. Der Rest ist Folklore, die niemand vermisst.
Häufige Fragen zu Hochzeitsbräuchen
Welche Hochzeitsbräuche gibt es in Deutschland?
Die verbreitetsten: Polterabend, Brautstrauß werfen, Baumstammsägen, Spalier stehen, das Brautpaar-Anschneiden der Torte, „etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes, etwas Blaues", die Brautentführung und das Tragen über die Schwelle. Keiner davon ist Pflicht – wählt die zwei bis drei, die zu euch passen.
Was bedeutet das Baumstammsägen?
Das Brautpaar sägt gemeinsam mit einer Zweimann-Säge einen Stamm durch – die erste gemeinsam bewältigte Aufgabe der Ehe. Der Brauch stammt aus dem ländlichen Raum und funktioniert bis heute, weil er kurz ist, alle zuschauen können und die Fotos gut werden.
Warum wirft die Braut den Brautstrauß?
Wer den Strauß fängt, heiratet der Überlieferung nach als Nächste. Geworfen wird fast immer ein separater Wurfstrauß – Details und Alternativen wie das Bänderwerfen stehen beim Brautstrauß.
Welche Bräuche kann man weglassen?
Alle. Bräuche sind Angebote, keine Pflichten – und die Brautentführung ist der Kandidat, der am häufigsten mehr stört als stiftet: Das Paar fehlt ein bis zwei Stunden auf der eigenen Feier. Streicht ohne schlechtes Gewissen, was euch nicht entspricht.
